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Fachgespräch Religions- und Weltanschauungsfreiheit im Bildungssektor

Wie kann das Menschenrecht auf Religions- und Weltanschauungsfreiheit in staatlichen Bildungssystemen weltweit gestärkt werden? Diese und weitere Fragen wurden in einem gemeinsamen Fachgespräch des Religionsfreiheitsbeauftragten Markus Grübel MdB und des German Institute for Global and Area Studies (GIGA) diskutiert.


Fachgespräch Religions- und Weltanschauungsfreiheit im Bildungssektor

18.05.2021


Eine hochwertige und inklusive Bildung hat eine hohe Bedeutung für die Garantie der Religions- und Weltanschauungsfreiheit und die Erreichung nachhaltiger Entwicklung. Bildung fördert Pluralität, Respekt und Toleranz und trägt damit zur Stärkung von Religions- und Weltanschauungsfreiheit bei. Dies geschieht zum Beispiel durch Aufklärung und Begegnungen, die eine religionsbezogene Diskriminierung, Stereotype und Vorurteile abbauen. Gleichzeitig können Bildungssysteme das Menschenrecht auf Religions- und Weltanschauungsfreiheit auch gefährden und das friedliche Zusammenleben der Religionen stören. Dies gilt etwa dann, wenn Zugangsbeschränkungen zu Bildungssystemen aufgrund einer Religionszugehörigkeit bestehen, Curricula und Bildungsmaterialien zur Dominanz bestimmter religiöser Überzeugungen führen oder sogar eine bestimmte religiöse Bildung für alle Schulkinder verpflichtend ist.

  • Wie kann das Menschenrecht auf Religions- und Weltanschauungsfreiheit in staatlichen Bildungssystemen weltweit gestärkt werden?
  • Was kann getan werden, damit Religions- und Weltanschauungsfreiheit im Bildungswesen zur Erreichung der nachhaltigen Entwicklungsziele beitragen kann?
  • Welche Chancen und Herausforderungen bestehen dabei für religiöse und weltanschauliche Gruppen?
  • Welche Rolle spielen religiöse Akteure im Bildungswesen?
  • Welche Ansätze können progressive Strömungen von religiösen und weltanschaulichen Gruppen im Bildungswesen stärken?

Um diese Fragen zu diskutieren, hat der Beauftragte der Bundesregierung für weltweite Religionsfreiheit, Markus Grübel MdB, am 17. Mai 2021 gemeinsam mit dem German Institute for Global and Area Studies (GIGA) zu dem virtuellen Fachaustausch „Kann die Religions- und Weltanschauungsfreiheit nachhaltige Entwicklung fördern? Inklusive Bildungssysteme im Fokus" eingeladen. Die Veranstaltung wurde von Dr. Zrinka Štimac, Expertin für Curricula und Schulbücher religionsbezogener Fächer und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Georg-Eckert-Institut, Leibniz-Institut für Internationale Schulbuchforschung (GEI), moderiert.

Zu Beginn der Veranstaltung betonte Grübel, die Chancen und Herausforderungen für Religions- und Weltanschauungsfreiheit in Bildungssystemen ließen sich daran bemessen, inwieweit alle religiösen und weltanschaulichen Gruppen Zugang zu Bildungsangeboten hätten und welche Bildungsinhalte in der Schule vermittelt würden. Anknüpfend an den 2. Bericht der Bundesregierung zur weltweiten Lage der Religionsfreiheit forderte Grübel, das Menschenrecht auf Religions- und Weltanschauungsfreiheit stärker in internationalen Bildungsagenden, wie der Agenda 2030, zu verankern. Zudem müssten alle religiösen und weltanschaulichen Gruppen weltweit uneingeschränkt Zugang zu staatlichen Bildungssystemen erhalten. Für Deutschland und weltweite gelte, dass Inhalte zur Gewährleistung der Religions- und Weltanschauungsfreiheit in der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften stärker berücksichtigt und alle Religionen und Weltanschauungen umfassend und diskriminierungsfrei im Unterricht und in den Lehrmaterialien repräsentiert werden müssten. Er betonte den wichtigen Beitrag, den die deutsche Entwicklungszusammenarbeit bereits heute zur Förderung qualitativ hochwertiger Bildung entlang der gesamten Bildungskette leiste.

In Ihrem Vortrag zum Bildungssystem Indonesiens erläuterte Dr. des. Amanda tho Seeth, Post Doc an der Humboldt-Universität zu Berlin sowie Mitarbeiterin im GIGA-Projekt „Freedom and Development? Religious Actors, Freedom of Belief and Religion, and Sustainable Development", das indonesische Bildungssystem sei chronisch unterfinanziert. Besonders in ländlichen Regionen habe der Staat wenig Einblicke in die Inhalte, die in privaten Bildungseinrichtungen gelehrt würden. Häufig würde in diesen Institutionen ein konservativer Islam gelehrt. Dennoch seien besonders die Pesantren (private islamische Bildungseinrichtungen) und das staatliche Hochschulwesen wichtige und vielversprechende Akteure in Fragen interreligiöser Dialogarbeit, Demokratisierung, internationaler Kooperationen sowie in Themenfeldern wie Umwelt- und Klimaschutz.

Dr. Hamideh Mohagheghi, Sprecherin des Rats der Religionen Hannover und Mitglied des Vorstands von Religions for Peace Deutschland, betonte die hohe Bedeutung der interreligiösen Bildung für das friedliche Zusammenleben der Menschen. Es sei sehr wichtig, dass religiöse Akteure in die Bildungsarbeit einbezogen würden. Selbst bei unterschiedlichen Positionen könnte gut ein gemeinsamer Nenner erreicht werden, wenn zuvor Vertrauen aufgebaut worden sei und man bereit sei, sich zu begegnen. Diskussionen, die in Deutschland stattfinden, würden auch in anderen Ländern, in denen die Religions- und Weltanschauungsfreiheit nicht gegeben sei, eine positive Wirkung entfalten.

Prof. Dr. Matthias Basedau, Direktor des GIGA Instituts für Afrika-Studien und Konfliktforscher, erläuterte, der Nahe und Mittlere Osten sei besonders von Einschränkungen der Religions- und Weltanschauungsfreiheit im Bildungssektor betroffen. Die Stärkung einer hochwertigen Bildung helfe dabei, Menschen auf ein erfolgreiches Berufsleben vorzubereiten. Dies trüge auch dazu bei, Konflikten ihre ökonomische Grundlage zu entziehen und Extremismus zu schwächen. Zudem könnten religiös und weltanschaulich diverse Gesellschaften nur funktionieren, wenn Menschen bereit seien, Diversität anzuerkennen. Dazu könnten Bildungssysteme einen wichtigen Beitrag leisten.

Mehr als 80 interessierte Personen aus Politik, Zivilgesellschaft und Wissenschaft sowie Angehörige der Religionsgemeinschaften nahmen an dem Fachaustausch teil.

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