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Zeichen der Hoffnung: Papst Franziskus reist in den Irak

Erstmals reist ein Papst in den Irak. Das ist ein historisches Ereignis. Mit seinem Besuch in eines der ältesten Siedlungsgebiete des Christentums sendet Papst Franziskus ein starkes Signal der Unterstützung an die christliche Minderheit im Irak. Gleichzeitig setzt der Papst ein Zeichen für das friedliche Zusammenleben aller religiösen Gruppen im Lande.


04.03.2021


RFB

Der Papst hat den Irak als Ziel seiner ersten Reise seit Beginn der Corona-Pandemie gewählt. Damit spendet er den irakischen Christen Hoffnung und unterstreicht die historische Verbundenheit des Christentums mit dem Irak.

Der Besuch des Papstes im multireligiösen und multiethnischen Zweistromland schärft das Bewusstsein der Menschen für das friedliche Zusammenleben über ethnische und religiöse Grenzen hinweg. Der Besuch bietet auch Gelegenheit, auf die zum Teil prekäre Lage der Christen und weiterer Minderheiten im Land hinzuweisen. Viele religiöse Minderheiten, darunter Christen und Jesiden, konnten auch nach Ende der Gewaltherrschaft des sogenannten Islamischen Staats (IS) nicht in ihre Heimatgebiete zurückkehren. Besonders in der Ninewa-Ebene, der historischen Heimat vieler religiöser Minderheiten, leiden die Menschen noch immer unter Diskriminierung und Gewalt. Sicherheit sowie Beschäftigungs-und Bildungsperspektiven kommen nur langsam zurück. Die Aufarbeitung der Verbrechen des sognannten IS und die Versöhnung zwischen Ethnien und Religionen bleibt eine große Herausforderung. Das in dieser Woche durch das irakische Parlament verabschiedete Gesetz zur Wiedergutmachung für die IS-Opfer ist ein wichtiger Schritt für Versöhnung und Aufarbeitung.

Neben irakischen Regierungsvertretern und christlichen Oberhäuptern wird Papst Franziskus ebenfalls Großajatollah Ali al-Sistani, die höchste Autorität der Schiiten im Irak, treffen. Das Treffen in Nadschaf ist ein wichtiges Signal für den christlich-schiitischen Dialog und für das friedliche Zusammenleben der Religionen im Irak. Das Vertrauen zwischen den Religionen aber auch innerhalb der religiösen Gruppen hat durch die Terrorherrschaft des sogenannten IS im Irak sehr gelitten. Das Treffen zwischen Papst Franziskus und Großajatollah Ali al-Sistani wird dazu beitragen, dieses Vertrauen wieder zu stärken.

Der Irak zählt zu den ältesten Siedlungsgebieten des Christentums und ist traditionelle Heimat verschiedener ethnischer und religiöser Minderheiten, wie Christen, Jesiden, Mandäer, Turkmenen, Bahá'í, Kakaí und Schabak. Während des militärischen Vormarsches des sogenannten Islamischen Staats (IS) ab 2014 wurden insbesondere religiöse Minderheiten wie Christen und Jesiden Opfer von Gewalt und massiven Menschenrechtsverletzungen. Viele Minderheiten flohen ins Ausland und in andere Gebiete innerhalb des Landes. Doch auch Schiiten und Sunniten litten unter der Gewalt des sogenannten IS.

Schätzungen zufolge leben heute noch 200.000 bis 300.000 Christen im Irak - gegenüber ca. 1,5 Mio. im Jahr 2003. Obwohl religiöse Minderheiten im Irak heute keine systematische Verfolgung durch staatliche Behörden erleiden, ist der Staat nicht immer in der Lage, den rechtlich verbrieften Minderheitenschutz zu gewährleisten und für die Sicherheit der Minderheiten zu sorgen. Auch mehr als sechs Jahre nach Beginn der Gräueltaten des sogenannten IS sind Minderheiten weiterhin von Gewalt und den Folgen von Vertreibung und großflächiger Zerstörung ihrer Heimat betroffen. Viele religiöse und ethnische Minderheiten sind bis heute nicht in ihre Heimatregionen zurückgekehrt. Es fehlt vor allem an Sicherheit, Beschäftigungs- und Bildungsperspektiven sowie der umfassenden Aufarbeitung der Verbrechen des sogenannten IS.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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